01. May. 2012

Bürgermeisterwahlen in St. Johann in Tirol am 6. Mai 2012

Am 6. Mai wird die Marktgemeinde St. Johann in Tirol einen neuen Bürgermeister bekommen. Nach 20 Jahren als Bürgermeister gab im Februar Josef Grander seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen bekannt. Dies hat zur Folge, dass die Gemeinde heuer einen Bürgermeister ohne Gemeinderatswahlen finden wird. Diese sonderbare Situation lässt besonders die Soziale Liste mit dem Kandidaten Peter Wallner auf eine mögliche neue politische Konstellation, die es bis dato nicht gab, hoffen. 
Seine Konkurrenten stellen Mag. Helga Embacher von den Grünen sowie Stefan Seiwald von der ÖVP, der als Favorit gesehen wird. 

Kitzbühel TV stellt die Kandidaten vor: 

Peter Wallner (SOLI)

Peter Wallner, Sohn eines Arbeiters, ist in der Ära Bruno Kreisky erwachsen geworden. Als Arbeiter habe es sein Vater mit eigenen Mitteln geschafft ein Haus zu bauen. Dies sei ein Unterfangen, welches für keinen Menschen in der gleichen beruflichen Schicht heutzutage vorstellbar wäre. 

Zu seiner Zeit war es absolut gewöhnlich, dass Bildung kostenlos war. Dies kritisiert der Bürgermeister Kandidat ein wenig an der heutigen Zeit im Gespräch mit Kitzbühel TV. Doch nicht nur das ist ein Augenmerkmal vom möglichen künftigen Bürgermeister der Gemeinde St. Johann. 

Die sozialistischen Errungenschaften wie zum Beispiel die bereits erwähnte kostenlose Bildung wusste er schon als Schüler sehr zu schätzen. Die Volksschule und Hauptschule besuchte er in St. Johann. Mit 14 Jahren kam er ins Bundesoberstufen Realgymnasium in Innsbruck, wo sich die ersten Konturen für seine jetzige politische Karriere abzeichneten. „Ich war schon immer politisch sehr interessiert“, teilt er uns euphorisch mit. Und schon seit seiner Kindheit war seine politische Haltung gegen „die da oben“.

Nach zwei Jahren Biologie Studium legte er die Prüfung für den Volleyball Lehrwart ab und besuchte die Pädagogische Hochschule Tirol in Innsbruck. Er unterrichtet als Lehrer in der Hauptschule St. Johann in den Fächern Leibesübungen, Deutsch und Werken. Die Gemeinde St. Johann hat er gemeinsam mit Hans Obermoser und Mag. Monica Wallner D’Andre mit der Gründung eines Volleyball Vereines bereichert. 

Politische Schwerpunkte:

Am meisten stört ihn die „triste Zeit für Jugendliche“, teilt uns Peter Wallner mit einer ernsten  Miene mit. Dabei sei die Grundinfrastruktur um Jugendlichen mehr Möglichkeiten zu bieten vorhanden, jedoch die Kosten leider immer wieder ein Dorn in den Augen diverser Entscheidungsträger. Die Jugendlichen sollen mehr Plätze haben, wo sie sich aufhalten können, ohne etwas konsumieren zu müssen. 
Seit über 30 Jahren hat Peter Wallner für die Realisierung vom Jugendzentrum St. Johann (JUZ) gekämpft. 
„Leider gab es damals eine generelle Tendenz, speziell von Seiten der ÖVP die Errichtung vom JUZ zu verhindern“. 
Schon in den frühen Jahren seiner politischen Karriere wollte Peter Wallner mit seiner Partei andere Kulturen nach St. Johann holen. Man wollte weg vom Klischee „Lederhosn“ und „Jodlerei“ was viele Menschen mit dem heiligen Land in Verbindung bringen. 
Es wurden Sommerfestivals veranstaltet, Stars wie Jazz Gitt, Ostbahn Kurti und Hans Söllner beehrten die 8.500 Einwohner umfassende Gemeinde. 

Krankenhaus St. Johann: 

Die Schwerpunkte, die sich das KH St. Johann setzt, hält er absolut für die Richtigen. Die Erweiterung war ebenfalls ein großer Erfolg. 
Was Peter Wallner kritisiert ist die Art wie Entscheidungen getroffen werden. Es seien zu undemokratische Entscheidungen und der Grad der Bürokratie sei viel zu hoch. Mit der Führung des Krankenhauses St. Johann habe auch seine Partei ihre Probleme. 

Auf die Frage wie realistisch er seine Chancen einschätzt künftiger Bürgermeister zu werden antwortet er uns mit: „Die Leit meng ins. Die Sympathien sind auf jeden Fall auf unserer Seite.“



Mag. Helga Embacher (Grüne)

Zu „ihrer Zeit“ war es normal, dass Kinder sich für Politik interessierten. Es war schon fast eine Schandtat, falls man sich nicht für Politik interessierte. So wundert es nicht, dass die Rechtsanwältin und Mutter zweier Kinder sich für die Position des Bürgermeisters in St. Johann bewirbt. 
Ökonomie und Ökologie seien kein Widerspruch, erklärt sie in einer Podiumsdiskussion den BürgerInnen von St. Johann. 

Politische Schwerpunkte:

Ihre Schwerpunkte werden die Erstellung von Gleichgewichten sowie auch die Bewahrung von Ressourcen sein. Demokratie bedeutet für Sie Mitbestimmung – und genau dies will Sie in Zukunft mehr forcieren. Das Volk soll mehr mitbestimmen wohin die Zukunft der Gemeinde St. Johann gehen soll. 
Auch sollten die einheimischen Unternehmer wieder mehr unterstützt werden. 


Mag. Stefan Seiwald (ÖVP)

Auf die Frage „warum die St. Johanner am 6. Mai ihn wählen sollen“ gibt der Kandidate der ÖVP als Antwort: „Das Gesamtpaket bei mir ist vielleicht besser als bei meinen Konkurrenten.“ 
Klingt ersten Augenblick sehr selbstbewusst, doch lässt man den Unternehmer und den zweiten Geschäftsführer der Bergbahnen St. Johann weiterreden, wird klar was er damit meint. 
Er hat die Ausbildung zum Volkswirt und Betriebswirt gemacht. Später wurde er Unternehmensberater und macht tatsächlich einen recht kompetenten Eindruck. 

Politische Schwerpunkte:

Da er die Linie der ÖVP wie gehabt fahren würde, kommen keine innovativen Vorschläge in Zukunft etwas in St. Johann ändern zu wollen. Er ist momentan viel mehr in der Position, die Zustände, die es bis dato gab, zu verteidigen.


Mag. Stefan Seiwald (ÖVP); Foto: stefanseiwald.at
Peter Wallner (SOLI)
Mag. Helga Embacher (Grüne); Foto: ©Harald Voglhuber