05. Jan. 2017

Der Touristiker Gerhard Walter – ein Schweizer Lehrstück

Die Bestellung des Tirolers, Gerhard Walter, zum Tourismuschef der nobelsten aller Nobeldestinationen, St. Moritz im Engadin, war ein Hype in den Schweizer Medien. Sogar das gefürchtete und in der Regel schonungslose Boulevardblatt „Blick“, signalisierte pragmatische Zustimmung.

Die Conclusio: „Ösi“, Gerhard Walter, ein Gewinn für die Schweizer Tourismusszene. Die Frage: „Warum ein Österreicher, haben wir keine eigenen guten Leute“, blieb eine Marginalie.

Vor dem Hintergrund latenter kleinkarierter Denkungsweise im eigenen Land, kann man nur staunen, mit welch souveräner Gelassenheit die Schweizer dem Mann aus Galtür ihr touristisches Juwel anvertrauen. Bedenkt man, was die Marke St.Moritz für die Eidgenosssen bedeutet, dann muss ein solcher Vertrauensvorschuss zutiefst jene beschämen, die diesen Mann haben ziehen lassen. Um so mehr, wenn man den Patriotismus der Schweizer kennt und ihre skeptische Grundhaltung zu so manchem, was von Aussen kommt.

Ein selbstkritischer Blick in den Spiegel steht jenen gut an, die, bezogen auf die großartige Tourismusgeschichte Kitzbühels, ganz offenkundig in einem Gwand daher kommen, das ihnen einige Nummern zu groß ist.

Bleibt als Lehre zu hoffen, dass die neue und bis dato besonnen agierende Direktorin von Kitzbühel Tourismus ihr Können und ihre Vorstellungen möglichst unversehrt entfalten kann, ohne zwischen die Fronten der konkurrierenden Machteliten in der Gamsstadt zu geraten, die Kitzbühel Tourismus als Teil ihrer Familienpolitik betrachten.

Noch kann man das Abrutschen Kitzbühels in die touristische Mittelmäßigkeit aufhalten. Ein wenig Schweizer Denkungsweise könnte dabei nicht schaden.