21. Jan. 2014

"Downhill Racer" Kitzbühel im Spiegel eines Filmklassikers

Am Freitag, dem 17. Jänner, eröffnete Landesrätin Beate Palfrader, gemeinsam mit Stadträtin Dr. Barbara Planer und Kustos Dr. Wido Sieberer, eine Ausstellung von biografischem Charakter. Biografisch, was Kitzbühel betrifft. Sozusagen „Back to the Roots“, wenn man wissen will, warum Kitzbühel so wurde, wie es heutzutage ist. 

Die Rede ist von einer Retrospektive auf die Dreharbeiten zu “Downhill Racer“, deutscher Filmtitel „Schussfahrt“, 1969 unter der Regie von Michel Ritchie mit Roberd Redford in der Hauptrolle, in und um Kitzbühel gedreht. 
Ganz abgesehen davon, dass es sich damals um einen der bemerkenswertesten Sportfilme seiner Zeit handelte, bedient dieser Film in besonderer Weise das Klischee Kitzbühel.

Ein mittelmäßiger Abfahrtsläufer des US-Teams steigert sich zum Champ, auf der immer schon geradezu brutalen Streif. Brennender Ehrgeiz und eine nicht minder heiße Lovestory, eingebettet in das Ambiente der Gamsstadt, bilden den Rahmen. Trainer Eugene Claire (Gene Hackman) treibt seinen Protagonisten David (Robert Redford) förmlich zum Sieg. Und er selbst, David, will, um alles in der Welt, Goldmedaillen Sieger werden.

Warum spielt diese Story ausgerechnet auf der Kitzbüheler Streif? 
Wo sollte man sonst wohl extreme Leistung, die Mentalität eines Harsardeurs, Mut, eisernen Willen und eine „beinahe-Todesbereitschaft“ in Sachen Downhill am besten darstellen? Auf der Streif, der rasantesten Rennstrecke der Welt. Dem unberechenbaren, teils extrem steil abfallenden Rücken des „Hahnenkamms“. Die Streif, ein Ort, wo Angst latent ist und letztlich doch immer wieder überwunden wird.  

Es ist wohl eine alte Weisheit, dass eine derartige Location der Extreme, mit einer Stadt als Anhängsel, rasch auch in einen Goldrausch verfällt. Kitzbühel, ein Claim, der TV Stationen, Immobilienmakler, Anwälte, Boutiquenbetreiber, Agenturen und anderer Illusionskünstler geradezu magisch anzieht. Darunter Glücksritter, die rasch wieder verschwinden, wenn sie merken, dass sie einem Mythos aufgesessen sind und dass man auch hier hart arbeiten muss, um dauerhaft dazuzugehören. Wie gesagt, damals das alles erst nur im Ansatz.

Die ersten tapsigen Schritte Kitzbühels in den wirtschaftswunderbaren Lifestyle der Sechziger, fein beobachtet durch die Leica des Hannoveraners Hans Rudolf Uthoff, lassen erahnen, wie eine 8000 Seelengemeinde zu einem Circus Maximus wurde. 

Die Belege dafür vermittelt das Stadtmuseum Kitzbühel mit seiner ausgesprochen gelungenen Uthoff-Ausstellung. Eindrücke von Dreharbeiten zu Downhill Racer auf unglaublich authentische Weise dargestellt. 
Uthoff kam damals sozusagen von außen. Er gehörte nicht zum Drehteam und überlässt es dem Betrachter, die fein graduierten Schwarzweiß-aufnahmen, zu werten und zu deuten.

Etwas wehmütig machen die Bilder schon, denn noch tauchen zwischen den beringten und bepelzten „Luxury Ladies“ auch andere Wesen auf: Echte Tiroler, Naive, Gescheite und natürliche Wesen in Schafswolle und Loden, die das Szenario der Filmemacher bewundern und unseren Kulturpessimismus letztlich doch in ihrer Ehrlichkeit beruhigen. Diese Wesen gibt es gottseidank noch heute und so wird Kitzbühel leicht weitere Downhill Races wegstecken, ehe es von Pathos und Gloria erschlagen wird.