15. Oct. 2015

Dunkle Wolken am Tiroler Tourismushimmel

Wenn auch der Tiroler Tourismus bezüglich der vergangenen Sommer- und Wintersaison zufriedenstellend war und wieder ein solides Plus in Sachen Bettenverkauf zu verzeichnen hatte, so ist doch die Stimmung bei den Tourismusbetrieben alles andere als positiv. So jedenfalls hat es das Wirtschaftsberatungs-Unternehmen Deloitte ermittelt.

Man mag sich darüber wundern, dass immerhin 61 Prozent der befragten Tourismusbetriebe auf die Frage, wie sie ihre Zukunft für die nächsten 5 Jahre einschätzen, ausgesprochen negativ reagieren.

46 Prozent sehen bereits in den kommenden zwölf Monaten deutliche Einbrüche. Das widerspricht ganz und gar dem Berufsoptimismus der Branchenvertreter und Verbände, die inzwischen durch die Selbstverständlichkeit des Erfolgstourismus in Sachen Innovation und Ideen ziemlich Fett angesetzt haben und zum Teil einen Lobbyismus betreiben, der sich weniger an den objektiven Notwendigkeiten des Gastgewerbes orientiert, als vielmehr an Interessen und Verflechtungen im Bereich Tourismusmanagement.

Bisher haben die zuständigen Verbände im Land kaum reagiert. Die Wirtschaftskammer Tirol ausgenommen. Die WK Tirol setzte ein handfestes Signal in heiligem Zorn gegen die Wiener Staatsbürokratie, die sich als Abzockerin profiliert. So organisierte sie eine Demo. Dabei ging es um die Kernprobleme: Steigende Abgaben, die Betriebsnachfolge, Kostensteigerung durch schikanöse Allergie-Verordnungen aus Brüssel, das Rauchverbot und all in all, der überbordende Bürokratismus.

Konkret beziffert sind es 84%, die steigende Kosten als unhaltbar bezeichnen. Es sind 80 % die durch höhere Abgaben ihre Betriebe in Gefahr sehen und 43% beklagen Personalmangel. Was die Lobby nicht wahrhaben will. Deloitte hat auch massive Sorgen wegen eines erwarteten Nächtigungsrückgang ermittelt. Fazit: Die Investitionsbereitschaft in den Beherbergungsbetrieben ist nicht sonderlich ausgeprägt.

Es sind gerade mal 32 %, die noch bereit sind, in Ihre Betriebe zu investieren. 45% der von Deloitte Befragten lehnen Investitionen ab.
Da nützt kein Zweckoptimismus der Tourismusverbände mehr, keine dieser ewig langweiligen und geschönten Buntbilder und schon gar nicht die einfallslosem Videoclips, die schlecht und recht versuchen, die zersiedelte Landschaft zu schönen und aus Schneematsch stäubenden Schnee zu zaubern. Nicht die Vortäuschung des kaum oder gar nicht Vorhandenen hilft dem Tourismus. Konzepte und Ideen sind angesagt.
Der Tourismus und die Gastronomie benötigen ihrem Wesen nach durchaus auch eine Portion Uneigennützigkeit. Und die wiederum ist der Stoff, aus dem Gastfreundlichkeit entsteht. Und diese Gastfreundlichkeit ist die eigentliche touristische Qualität.

Noch setzen die Tourismusverbände auf Macht und Einfluss und investieren in Networking und strategischen Lobbyismus. Dies zu leugnen, wäre pure Verdrängung. Es einzugestehen und ändern zu wollen, wäre der erste Ansatz, um aus den verbeamteten Gästebeschaffungsbüros aktive und ideenreiche Anlaufstellen zu machen, mit dem Ziel, der Hotellerie und Gastronomie ihren schweren Stand zu erleichtern.

Foto Credit "Die Fotografen" Innsbruck
Foto Credit "Die Fotografen" Innsbruck
Foto Credit "Die Fotografen" Innsbruck