25. Aug. 2016

Eröffnungsabend des Filmfestival Kitzbühel 2016

Das Filmfestival Kitzbühel sieht sich: Jung, kreativ und vielseitig. Nicht, weil es seit seiner Gründung 2013 ein junges Festival ist, sondern weil vor allem der „Junge Film“ im Zentrum steht. Hier bekommen Nachwuchsregisseure und -Produzenten die Chance, ihre ersten filmischen Projekte zu präsentieren. Ob Zeitgenössisches oder Traditionelles, Schräges oder Klares, Kleines oder Großes, professionell Umgesetztes oder autodidaktisch Gebasteltes, Super8 oder 35mm, dem Film sind keine Grenzen gesetzt. Regionale und internationale Filmkunst, Newcomer und Profis haben hier ihre Plattform.“

Soweit das Credo und der positive Ansatz der Organisatoren. Wie so oft, sind allerdings ideelle Zielvorstellungen und deren Umsetzung nicht ohne Brüche. Dementsprechend ist das Festival noch lange nicht da, wo es hin sollte. Andererseits muss man den Machern eine generationsübergreifende Frist einräumen, Kitzbühel zu einer Stadt des organisch gewachsenen Filmfestivals zu machen.

Noch ist dies nicht selbstverständlich. Filmfestivals, vergleichsweise jenes in Trient oder St. Anton, haben eine Ideallinie gefunden, indem sie sich, ihrem topografisch-historischen Selbstverständnis folgend, auf den Berg- und Naturfilm reduzieren oder auf die Dramaturgie von unreguliertem Mix archaischer Elemente mit einer penetranten, oft destruktiven Habgier unserer Moderne. Also eine äusserst widersprüchliche Gesellschaft.

Niemand Anderer als Felix Mitterer, hat diese Widersprüche so eindrucksvoll in den Mittelpunkt seiner filmischen Arbeit gestellt.

Ein vergleichbarer Aufarbeitungsprozess wäre gerade für Kitzbühel wichtig. Eine Stadt in vielen Lebensbereichen durch zu rasche und relativ hemmungslose Vermarktung, gesellschaftlich gesehen, geradezu deformiert. Kitzbühel strahlt eine höchst eigentümliche Ambivalenz aus. Oberflächlich betrachtet erscheint dem urbanen Menschen die Gamsstadt und die sie umgebene Landschaft schön. Und was die Ortsansässigen betrifft, originell. Wer sich allerdings intensiv mit Kitzbühel auseinandersetzt, der wird Zerstörungen und Verletzungen feststellen, die Menschen entweder in Depressionen versetzten kann oder auf die Barrikaden treibt.

So gesehen ist das Filmfestival Kitzbühel mit dem kauzig-sarkastisch-britischen Peter Ustinow und der Würdigung Felix Mitterers eigentlich schon sehr gut unterwegs.

Das lässt den Lapsus des letzten Jahres, die Kitzbüheler Uraufführung des unerträglichen Trenker-Schinkens, „Der schmale Grat der Wahrheit,“ Regie Wolfgang Murnberger/Hauptrolle Tobias Moretti, gnädig vergessen.

Foto: R.Lehner
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Ausser Konkurrenz: Anja Victoria Authenried  Filmemacherin und TV Moderatorin Foto: R.Lehner