10. Aug. 2015

Generali Open: Was soll, was darf eine Presse-Agentur?

Vorab: Hier geht es nicht darum, Presseagenturen vorzuführen. Im Gegenteil. Gerade in Tirol gibt es diesbezüglich so einige Agenturen, die hochwertigen Service bieten, unentbehrlich für das professionelle Tourismusland Tirol. So war das auch beim Generali Open Tennisturnier 2015 in Kitzbühel. Der Informationsdienst war vorbildlich: „Danny wusste alles, Danny war überall, gut erreichbar und Danny war, was einem Presseservice das Sahnehäubchen aufsetzt, frei von jeder Selbstdarstellung und ausgesprochen freundlich.”

Doch da war noch der Moderator der Pressekonferenz vor dem Finale am Samstag im Centercourt. Mit überströmender Liebenswürdigkeit und einem gebremsten Pathos von Bedeutsamkeit moderierte er, jedoch immer auf Linie mit dem strikten Imperativ, alles rosarot. Und so signalisierte ein reiches Tableau an medialen Lutschbonbons: „Nicht alles wird gut. Alles ist gut.“

Das, was man kritische Fragen zur Sache nennt (es gibt immer irgendwo Probleme), wurde mit gebremstem Charme vom Moderator des Pressegespräches  entgegengenommen. Dem ansonsten so feuerfest-unerschütterlich Verbindlichen gelang es, durch die Art der Weitergabe der Frage an den Adressaten auf dem Podium, den Fragesteller, allein durch seine Körpersprache präventiv zum Spielverderber und Außenseiter zu machen.

Die Katastrophe war komplett, als die Frage an Bürgermeister Klaus Winkler gestellt war: „Nach den so grandiosen Erfolgen des Kitzbüheler Tennisturniers und seiner Veranstalter, wäre es doch jetzt an der Zeit, sich der Sanierung und dem Weiterausbau des Stadions durch die Stadt zu widmen.“ Wenn auch sehr überlegt und etwas kryptisch formuliertantwortete der Bürgermeister, er sei durchaus bereit, die Leistungen der Turniermacher im Interesse der Stadt dahingehend zu würdigen, dass er hierzu mit dem Gemeinderat und dem Tennisclub in ein Gespräch zur Sanierung des Stadions eintreten wolle.“

Diese Message war neu und journalistisch appetitanregend. Eine echte News sozusagen, bei der es sich lohnte nachzufassen, um konkreteres zu erfahren. Immerhin, ein solches Statement seitens der Stadt hatte es seit 10 Jahren nicht mehr gegeben. Kaum hatte der Journalist nachgefasst, blockte der Moderator die Nachfrage mit einem eingefrorenen Lächeln vehement ab, mit dem Hinweis, dass das Endspiel bald beginne. Man könne das Thema ja in einem Einzelgespräch klären. Sprachs und erteilte rasch einem anderen Journalisten das Wort.

Man könnte das Ganze als Ungeschicklichkeit abtun, wenn da nicht gewisse Zweifel an der Rolle des Moderators im Pressegespräch aufkämen. Wollte der Moderator manipulieren? Gab es Absprachen dazu? Unbequeme Journalisten lösen schon im Vorfeld von Pressekonferenzen Alarm aus. Fest steht jedenfalls: Ein Redakteur der TT hatte das ganze mitbekommen und mit dem feinen Instinkt des Profis prompt über des Bürgermeisters „beinahe-Zusage“ berichtet.

Fazit: Für den Tennisveranstalter ist es angesichts der hervorragenden Leistungen kontraproduktiv, wenn ein Moderator in vorauseilender Vorsicht glaubt, eigene Politik betreiben zu müssen, indem er Fragen unterdrückt, geradeso, als sei da etwas zu verbergen. Fakt ist, der Mann hatte kein Mandat dazu und es gab nicht das mindeste zu verbergen. Der mutmaßliche  Hintergrund ist banal: Der Moderator wollte im Grunde wohl nur als Protagonist kompromisslosen Wohlverhaltens, einfach nur gefallen.