21. Jan. 2012

Hahnenkammrennen im Schnee erstickt

Erst war's die Sorge um zu wenig Schnee, dann war es zuviel des Guten.

Die grauen Schatten, die vorübersausten, müssen wohl die Rennläufer gewesen sein, behaupteten etliche Zuschauer. Und die Tribüne an der Streif mutierte sozusagen zur Alterspyramide der VOIP, der Very Old Important People.

Drunten war's fröhlicher!

Da waren ja auch echte Fans. Richtige, lebendige begeisterte Menschen und keine erstarrte Wichtigkeit. Einfallsreich, kreativ und trotz Wetter fröhlich: Ob´s stürmt oder schneit, Kitzbühel ist immer, wie ein prickelndes Glas Champagner. „Den echten Fans muss man zuschaun, bei solch erfrischender Spontaneität.“ So unser Fotoredakteur.

Ab und zu zog der ORF mit seinen Teams vorbei. Ganze Kompanien zogen vorbei? Wenn man so will, war´s, wie eine Buß-und Bittprozession. Es waren viele Prozessionen. Vorneweg stets eine, Bedeutung ausstrahlende Redakteuse, gefolgt vom ernst blickenden Kameramann und dahinter, wie ein Priester, der sein Reliquiar trägt, der Tonmeister mit seiner Tonangel und einer Tasche mit Kabeln und Mischer. Anmutend, wie ein Kräuterweib mit allerlei Mittelchen.

Das sind beim TV die Schwammerlsucher. Sie arbeiten Bilder und Interviews gemäß Liste aus Wien ab und dieses Material kommt dann in die TV Küche am Küniglberg und wird dort redaktionell aufbereitet.

Ach ja, der ORF, so ein tolles Event, wie das in Kitzbühel, unterbricht endlich mal die organisierte ORF´sche Einfallslosigkeit, denn Sport können die. Da sind sie the Best. Und für einige Tage rinnt endlich auch mal Geld in die Taschen. Denn ORF Sport und Eurovision kassieren weltweit heftig ab.

In Kitzbühel werden ganze Claims von ORF Sport abgesteckt und hermetisch abgeriegelt. Wenn du also in dem Gebiet etwas völlig anderes drehen willst: Ein Wirtschaftstreffen beispielsweise, musst du immer in das Territorium des ORF Sport. Die einzige Chance hineinzukommen wäre, sich mit dem Hubschauber abseilen, mitten hinein in das Wirtschaftstreffen. Ein zusätzliches Problem: Keiner weiß so recht, wer wirklich für eine Akkreditierung zuständig ist.

Zwei ganze Tage ist der nicht-ORF-Redakteur damit beschäftigt, das herauszufinden: Die Eurovision (EBU) schreibt, Akkreditierung gerne. „International sind wir zuständig. Österreichweit macht das der ORF.“ Der ORF kontert, „nein, zuständig ist der Veranstalter des Rennens“. „Wieso das“ , sagt der, „dafür war immer schon der ORF zuständig.“ Der aber verweist auf die EBU und sagt, „das geht uns nix an, das macht die EBU in Genf.“ Und die wiederum verweist zurück auf den ORF. Und wenn die Verwirrung am größten ist, dann meldet sich der ORF erst nach mehrmaliger Urgenz.

Das Rennen ist vorbei und niemand nicht, weiß immer noch nix.

Andere waren da klüger, die akkreditieren sich über die Politik. Ja, und da geht was. Der Herr "sowieso" ruft mal eben beim zuständigen ORF Leiter "sowieso" an und der gibt dann kurz seine Befehle nach unten. K.u.K . Akkreditierung.

Wenn's mal klemmt bei der Koop zwischen TV und der Politik, dann wird kurzerhand ein Chefredakteur von einem hohen Tier auf eine Birkhuhnjagd eingeladen. Das Birkhuhn ist äußerst selten. Derlei Tangentopoli zwischen Staatsfernsehen und Politik ist wohl weit weniger selten als das erjagte Huhn. Aber das ist eine andere Geschichte.

Am Ende verschaffte zumindestens der Veranstalter eine Akkreditierung zum „Spazierengehen“ im ORF-Mandatsgebiet.

Ist ja auch schon mal was, oder?

Arnie, da kommt noch mehr auf dich zu
Aber, aber, Herr Postenkommandant. Amtsmüde ausgerechnet auf der VOIP Tribüne?
Was zuviel ist, ist zuviel
The Race, da legst di nieder. Phase 1
Phase 2, Nachahmungstäter
Kroatien: "Zu Gast bei Freunden"
Didier Cuche fünf mal Hahnenkammsieger, Didier bleib bei uns in Kitz!
Kreative Fans, tolles Publikum!
Selbstversorger - Streifprofis
Aksel Lund Svindal, ja, wo laufen sie denn?
Born to be in Kitzbühel, once in my life.