28. Jan. 2016

Hannes Reichelt: Einer kimmt jetzt aussi aus die Staud´n

Was viele sich nicht trauen: Aufbegehren gegen das Hahnenkamm Establishment.

Hannes Reichelt (Weltkasseläufer) übt nach seinem Sturz auf der Streif harsche Kritik am Veranstalter. In der Kompression sei die Piste schlecht präpariert gewesen. Darum haben auch etliche Läufer die Risiko-Linie gewählt und das bei schlechter Sicht.

Man höre und staune, Hannes Reichelt legt sich mit den allmächtigen Veranstaltern des Hahnenkammrennens an. Schärfer geht’s kaum noch. Dieser Mut zu Klartext ist ein Risiko, selbst für einen Spitzenfahrer. Das mächtige Hahnenkamm Establishment hat einen langen Arm.

Ausgerechnet in der Kompression, dort wo auch Georg Streitberger und Aksel Lund Svindal gestürzt waren, sei die sogenannte sicherere Linie weit unruhiger und schlechter präpariert gewesen als die engere, risikoreichere Variante. "Darum waren wir gezwungen, selbst bei schlechter Sicht, die Risiko-Linie zu fahren“, murrt Reichelt in einer ÖSV Pressekonferenz in Innsbruck. "Muss man es uns noch schwerer machen? Die Strecke ist schon hart genug.“

Damit scheint klar zu sein, Präsident Schröcksnadel hat seinen Burschen den Maulkorb abgenommen, mit anderen Worten: der ÖSV hat mit Kitzbühel noch ein Hühnchen zu rupfen. Die schlechte Sicht machte der Salzburger auch verantwortlich für seinen Sturz. "Ich habe nichts gesehen. Ich wusste nicht einmal annähernd, wo ich war. Die Kompression war dann schneller da als ich dachte“, so Reichelt. Warum wurde das Rennen nicht sofort nach Reichelts Sturz abgebrochen?

Ein Skandal? "Nachdem es zwei der Top-Leute in dieser Weise abwirft, lässt man einerseits noch zehn weitere runter fahren und andererseits nimmt man dann dem Rest der Läufer die Chance, zu starten", empört sich der Salzburger, „das ist nicht richtig“.

Reichelt setzt nach: "Könnte ich die verliehene Gams zurückgeben, um so den Sturz ungeschehen zu machen, dann würde ich das sofort tun", sagte der 35-jährige. "Das war doch ein schlimmes Erlebnis, das man nicht öfter haben möchte - auch im Hinblick auf die Familie. Für die war das wahrscheinlich noch schlimmer."

Fazit: Man wird sich einbremsen müssen, in Kitzbühel.

Der Tanz ums „goldene Kalb“ lässt ganz wie im Rennen, allzuleicht die Sicht verlieren. Und da kann es schlimmstenfalls zum Absturz kommen.