16. Nov. 2016

"Hat der Skitourismus noch Zukunft?"

Wer hautnah erleben möchte, wie Vorurteile sich innerhalb kürzester Zeit auflösen, dem sei empfohlen, einmal eine Veranstaltung des Tiroler Wirtschaftsbundes zu besuchen, wie jene, unlängst im Casino Kitzbühel. Ein sehr emotionsgeladenes Thema anzufassen, das traute  sich der Verantalter in einer Weise, die den Beobachter fragen lässt: „Ist der Tiroler Wirtschafsbund nicht doch eine durchaus lebendige und überaus kritikfähige und inspirative Denkfabrik?"

Gemessen am Thema des Abends und dessen Bewältigung, ein eindeutiges ja.

Die Rede ist von einer Diskussionsveranstaltung unter dem provokanten Titel „Hat der Skitourismus noch Zukunft“.

In Szene gesetzt war der Abend von der Doppelspitze des Wirtschaftsbundes, Bezirk Kitzbühel, GF Bettina Huber und Obmann Peter Seiwald. Die hochkarätige Besetzung am Podium: Wirtschaftsbund-Landesobmann Franz Hörl, Präsident des ÖSV und der European Ski Federation, Peter Schröcksnadel,  dem Atomic-General Manager, Wolfgang Mayerhofer und dem Tiroler Ski-Tourismusforscher, Günther Aigner. Wenn gleich Aigner mit seinen vier Thesen von der Zukunft des Alpinen Skisports in der Folge eine heisse Diskussion auslöste, so waren diese akribisch und äusserst kompetent durch Daten und Analysen untermauert. Besonders interessant drei Kernaussagen:

1. Die winterlichen Durchschittstemperaturen haben sich wenig geändert und bleiben auch auf absehbare Zeit in etwa konstant.

2. Der Bestand an Schneekanonen müsse nicht unbedingt höher sein, als vor 30 Jahren.

3. Unter Berufung auf gesellschaftliche Veränderungen sieht Aigner für die Zukunft eine Tendenz hin zu „elitärem Skisport“, so wie er unter widrigen wirtschaftlichen Verhältnissen vergleichsweise in den den Zwanziger und Dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts betrieben worden sei. Dass unter solchen Umständen nur die besten Dienstleister überleben, sei die unausweichliche Folge.

Ausgerechnet letztere These erzeugte bei Peter Schröcksnadel lebhaften Widerspruch, grollend und grantelnd vorgetragen, aber am Ende doch immer wieder mit humorig originellen Pointen gewürzt.

Franz Hörl, ausgewiesener Fachmann in Sachen touristischer Infrastruktur, sah sich in gelassen-verbindlicher Manier eher als Mittler zwischen den Fronten. Eine Rolle, die der verschmitzten und versöhnlichen Mentalität des Zillertalers entspricht.

Eine wichtige Erkenntnis aus der Summe der Diskussionspunkte: Der Skisport hat sehr wohl Zukunft. Dennoch, es entspricht dem Zeitgeist eines undifferezierten Öko-Genderismus, den Skitourismus schlecht zu reden. Dem, so Atomic General Manager Maierhofer: “hat die Branche keine gute Medienarbeit entgegenzusetzen“.         

Die Folge: Dieses Vakuum medialer Einfallslosigkeit schafft natürlich Spielraum für Miesmacherei. Sind die, bis zum Abwinken veröffentlichten Bilder von tiefverschneiten Landschaften und knallblauem Himmel, garniert mit Skiläufern im stäubenden Pulverschnee, am Ende vielleicht sogar kontraproduktiv? Angesagt wären wohlüberlegte Strategieen und keine kitschigen Lebenslügen. Skisport künftig gekonnt, ehrlich und doch attraktiv darzustellen. Ein wichtiger Input des Abends vor dichtgedrängtem Publikum. Eine Abendrunde, die voll an den Veranstalter ging . Ein Lehrstück für initiatives Vordenken.

Foto: R.Lehner
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Foto: R.Lehner,
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