14. Mar. 2013

Hundert Tage Tourismuspräsidentin Signe Reisch

Das Lob für diese ersten hundert Tage hält sich in Grenzen.

Das ist eigentlich ungerecht. Was ist geschehen? Nach einem professionell starken, wenngleich pragmatisch nüchternen Führungsstil, der dem Tourismus eine unschlagbare Positionierung in der Welt schuf, zeigt sich dennoch das klassische Symptom jeder alten Tourismusdestination: Kitzbühel wird großer Visionen überdrüssig und verzettelt sich in egoistischen Interessenskonflikten. Die Pioniere sind tot und die Folgegeneration lebt vom alten Glanz. Sie feilt durchaus an der Verfeinerung des eigenen Angebotes. Dies führte zwar zu einer, in Tirol qualitativ einmaligen Hotellerie. Was allerdings fehlt, ist die Kommunikation nach innen und nach außen.

Sie waren zweimal reich geworden, die Kitzbüheler: Einerseits durch den Tourismus, andererseits durch den lebhaften Verkauf der Landschaft an Baulöwen und Spekulanten. Dies betrifft, um es klarzustellen, nur die Eliten. Die „kloane Leit“ freilich, fragt niemand und manche Kritik oder gute Idee verhallt ungehört.

Zufall oder nicht, man hat sich inzwischen wieder auf die Reisch-Dynastie besonnen. Sie war es, die Kitzbühel durch Urahn Franz Reisch und das Hahnenkammrennen groß gemacht hat. Und so stand bei der Wahl von Signe Reisch zur TVB Präsidentin die Devise im Vordergrund: „Wieder mehr Herz für Kitzbühel. Allerdings, dabei kam es zu einem Missverständnis: Eine Präsidentin kann allenfalls die Linie vorgeben, nicht aber das Handwerkliche. Dafür steht Peter Marko als Tourismusdirektor, ein ausgewiesener Profi im Tourismusbusiness, der pragmatisch neue Tendenzen mit dem Bestehenden gemeinsam stemmen muss. Nach der Devise: „Wir müssen eine exklusive Destination bleiben, Massentourismus ist nicht unser Ding.“

Signe Reisch sollte sich davor hüten, falsch verstanden zu werden. Es gibt kein Zurück in eine verinnerlichte Welt. Auch nicht in den klein, klein Provinzialismus. Derzeit mobilisieren sich Seilschaften und selbstverliebte Nostalgiker. Die wissen zwar, wie man sich Einfluss verschafft und Pfründe sichert, Professionalität allerdings ist da nicht zu erwarten. Im Gegenteil: „Des werscht scho so a“, lautet die Parole.
Wenn Kitzbühel Tourismus mit angezogener Handbremse fahren sollte, dann wäre dies ein Unglück für den Fremdenverkehr in der Gamsstadt. Signe Reisch ist eine Reisch, das heißt, sie hat Führungsqualität. Wenn sie auf gute und zukunftsträchtige Konzepte setzt und auf jene, die nicht minder professionell die Dinge umsetzen können, dann würde sie den Kitzbüheler Tourismus in schlechter werdenden Zeiten mindestens so ideenreich gestalten können, wie Urahn Franz Reisch