17. Oct. 2014

Kitzbühel: Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz

Unmut herrsche in Kitzbühel, so heißt es, und Verwunderung über ein frisches hölzernes Kruzifix, das den First des in Restaurierung befindlichen alten Finanzamtes krönt. Und so murrt es unisono aus der Bürgerschaft und aus Fachkreisen: "Das gehört da nicht hin“.

Vollkommen richtig, es gehört da nicht hin.  
Verfehlt ist, wenn man so genau ist, doch auch der Begriff „altes Finanzamt“.  Genau genommen haben wir es hier mit dem „Alten Berggericht“ zu tun, ein Amtsgebäude aus der Spätrenaissance. Ein Gerichtsgebäude, zuständig für alle Bergbauangelegenheiten jener Region, die man heute den Bezirk Kitzbühel nennt.
Wäre man in Kitzbühel, was die Authentizität dieses Kruzifixes betrifft, ebenso genau beim Erhalt der Altstadt, dann wäre dies ja geradezu ein Hoffnungsschimmer für die wenigen einzelnen Objekte, die sich noch in einem einigermaßen originalen Zustand befinden.

In Fachkreisen jedenfalls wird der Innenstadtbereich als eine Art adaptierte Kulissenstadt für Boutiquen bezeichnet,  deren Fassaden zwar entfernt an das frühere Aussehen der Stadt erinnern, doch was dahinter sei, entspricht bei weitem nicht mehr dem, was noch bis in die Fünfzigerjahre des vorigen Jahrhunderts zu bewundern war. Nun hat sich in der Gamsstadt kaum die Tendenz durchgesetzt, das Altehrwürdige zu erhalten und architektonisch gekonnt

in zeitgemäße Erfordernisse einzubinden.

Umso mehr ist es bewundernswert, wenn ein fremder Investor den Kitzbühelern architektonisch und denkmalpflegerisch das vorlebt, was einer homogenen und traditionsbewussten Bürgerschaft gut anstünde. Einzubeziehen in vorbildhafte Stadtbildpflege sind neben dem Alten Berggericht: Kirche und Bezirkshauptmannschaft.
 

Altes Berggericht 14-16. Jahrhundert. Ansicht um 1620 Alle Rechte Kitzbühel-TV