23. Jan. 2012

Kitzbühel Slalom und der Intrigantenstadl

Cristian Deville eroberte erstmals wieder, seit Alberto Tomba 1994, den Ganslernhang, die Kitzbüheler Slalomstrecke, gleich neben der Streif und das mit 31 reifen Jahren. Eine Riesengaudi  „Incredibile. Ich war eigentlich nicht wirklich gut drauf, so wie bei Beginn der Saison. Der erste Lauf war schwach, doch beim zweiten Durchgang lief es super. Bereits vom ersten Tor weg hatte ich den richtigen Drive, ich fuhr voll auf Risiko, ja und das ist aufgegangen."

Für Mario Matt, hauchdünn hinter Deville, war der zweite Platz ok. Wie bereits in Wengen hatte der Tiroler aus Flirsch, bei Landeck, eine Führung im ersten Durchgang herausgefahren. Die konnte er dann allerdings nicht halten. Am Lauberhorn landete er auf Rang vier und am Slalom-Sonntag in Kitz schaffte er den zweiten Platz auf regenramponierter Piste. "Schön wär´s ja gewesen, aber ein zweiter Platz passt schon. Ich hätte den Ski öfter auslassen sollen. Jetzt war es erstmal wichtig, einige ordentliche Ergebnisse herauszufahren. Die sind jetzt da, da kann ich voll angreifen. Auf geht's - und in Schladming hab ich eh schon zweimal gewonnen“.

Der Vorjahressieger, Felix Neureuther (GER)  war, wie man in Tirol so schön sagt, echt stuff. „Es kotzt mich ganz schön an“, fluchte er. Stinksauer war der Partenkirchener nicht, weil er wegen eines Fahrfehlers nach dem ersten Durchgang ausgeschieden war.

Was ihn in Kitzbühel anzipfte, war eine Dauerdiskussion über einen angeblichen Fahrfehler beim Weltcup-Slalom am 6. Jänner in Zagreb. Als zweiter war er, nach Marcel Hirscher (AUT), durchs Ziel gefahren. Danach trat der Medienpartner des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV), die „Kronenzeitung", eine Hype los: In Zagreb sei es nicht korrekt zugegangen.

ÖSV-Trainer hatten nach dem Rennen in Zagreb, wie üblich, intensiv das Videomaterial gesichtet. Ja, und da hätten sie angeblich einen Fahrfehler von Neureuther entdeckt und das der "Krone gepetzt“. Angeblich hätten Hirscher und Neureuther jeweils „eingefädelt“, also ein Tor nicht richtig durchfahren. Das sei durch ein Video bewiesen. Natürlich hatte Renndirektor Günter Hujara (GER) sich ebenfalls das Ganze genau angesehen. Er stellte am Sonntag in Kitzbühel eindeutig klar: Neureuther und Hirscher sind in Zagreb absolut korrekt gefahren.

„Mann, das geht mir auf den Keks “, zürnte Neureuther, „einfach unmöglich, dieses hintenrum.“

Kein Mensch hatte damals in Zagreb auch nur andeutungsweise über angebliches Einfädeln von Neureuther und Hirscher gesprochen.

Wie auch immer, das Ergebnis steht - und der ÖSV ist gut beraten, diese mutmaßliche Intrige mit aus der Welt zu schaffen.

Christian Deville (ITA); Photo: Rolex /Stephan Cooper
Siegerehrung Slalom 1. Christian Deville (ITAL), 2. Mario Matt (AUT), 3. Ivica Kosttelic (CRO); Photo: Rolex/Stephan Cooper
Mario Matt am Ganslernhang; Photo: Rolex/Stephan Cooper
Felix Neureuther (GER) am Start; Photo: Rolex/KurtArrigo
Ivica Kostelic (CRO); Photo: Rolex /Kurt Arrigo
Wer will´s leugnen? Die schönste Skirennstrecke der Welt
Kristian Ghedina links seine charmante Fidenzata
Ganslernhang, darüber der Hochegg-Bauer
"Mariooooooo"
Was wäre Race in Kitz, ohne seine Fans?
"Neureuther Felix, lass di net derbleck´n"