21. Jan. 2017

[Kommentar] Skandal um Mercedes Sponsoring in Kitzbühel

Kitzbühel TV hatte bereits vor mehreren Monaten, auf direktem Draht aus Stuttgart, erfahren, dass Mercedes die Zusammenarbeit mit Kitzbühel zum Mai 2017 beenden werde. Dem Vernehmen nach wurde dies durch kräftiges Stühle-Rücken im Konzernbereich „Business Communication“ eingeläutet. Man sei seitens Mercedes bezüglich der Kooperation mit Kitzbühel ganz und gar unzufrieden gewesen. Dass man ab und an den Stuttgarter Konzern zwang, seine vertragsgemäß ausgestellten Fahrzeuge, anlässlich von Veranstaltungen eines anderen Autosponsors, aus dem Stadtbild zu entfernen, diese Demütigung war noch die geringste Querele zwischen Stuttgart und Kitzbühel Tourismus.

Aus Verhandlungsgesprächen heißt es, die Tourismuschefin habe ihre besondere Affinität zu einer ganz bestimmten Automarke nicht disziplinieren können. Immer wieder habe Bürgermeister Klaus Winkler versucht, im Interesse von Mercedes zu intervenieren, um auf Einhaltung der bestehenden Verträge hinzuweisen. Doch am Ende des Tages habe die Präsidentin des TVB dann doch wieder im Alleingang gehandelt. Der Abgang von Mercedes soll sich bereits im Sommer vergangenen Jahres abgezeichnet haben. Doch davon will Tourismuspräsidentin Signe Reisch nichts gewusst haben. Wertvolle Zeit verstrich. Die Zeit, um sich auszusprechen, sie wurde einfach vertan.

Vor wenigen Tagen entschloss sich Kitzbühel TV die Angelegenheit offenzulegen. Daraufhin klinkte sich schließlich auch die Tiroler Tageszeitung ein. Während Bürgermeister Klaus Winkler jetzt mit angemessenem Bedauern auf den Abgang von Mercedes reagiert, tönt es seitens Kitzbühel Tourismus ausgesprochen unfein und das in einer Art und Weise, die das Vorurteil bedient, Kitzbühel sei arrogant. Kitzbühels Tourismus Präsidentin sieht im Rückzug des Stuttgarter Autobauers keinen Beinbruch. „Sie sei auch nie ein großer Fan der Zusammenarbeit gewesen“ und Reisch setzte noch eins drauf: „Andere Mütter haben auch schöne Töchter.“ So lässt sich die TVB Präsidentin in der TT vernehmen. Angesichts der Tatsache, dass Kitzbühel touristisch auf hohem Niveau agiert, ist eine derartige Untergriffigkeit gegenüber Sponsoren problematisch. Die fehlende Sensibilität im Umgang mit der Entscheidung des Weltkonzerns, die Grobheit und der evidente Mangel an strategischer Weitsicht, all das ist schädlich und eine Belastung für die Gamsstadt. Kitzbühel sieht nicht sonderlich gut aus, wenn ausgerechnet eine TVB Repäsentantin von einem Fettnäpfchen in das nächste tritt.

Der mutmaßliche Skandal um eine, von Signe Reisch angeblich eigenmächtig um 400.000 Euro erworbene Wintersport-Sammlung aus Vaduz, die irgendwo an einem unbekannten Ort eingelagert sein soll, allerdings gerüchteweise noch nicht bezahlt, weil der TVB die Mittel verweigert haben soll, ist noch in frischer Erinnerung. Da folgt mit dem Abgang eines wichtigen Sponsors der nächste Hammer. Mercedes hat sich um Kitzbühel, insbesondere den Sportpark, verdient gemacht und hätte einen besseren Umgang verdient. Was die Stadtgemeinde selbst betrifft, so ist auch sie Leidtragende. Alles in allem wird es um sechsstellige Summen in erheblicher Höhe gehen, wenn der Stern aus Stuttgart in Kitzbühel erlischt. Der TVB-Aufsichtsrat ist gut beraten, sich der Sache anzunehmen.