14. Jul. 2014

McKinsey lässt's in Kitzbühel krachen

McKinsey, strategische Topmanagement-Beratung für Regierungen, Armeen, Politik und Wirtschaft, global disponiert, mit Hauptsitz in New York, betreibt in Kitzbühel eine Kaderschmiede für angehende Top-Manager mit Trend zum Globalen. Streng abgeschieden von der Außenwelt und gut behütet in einem wunderschön restaurierten ehemaligen Grandhotel.

 

Samstag, 13. Juni: Es ist etwa 21:40 Uhr. Einer jener typischen Kitzbüheler Sommerabende. Heuduft zieht herüber von den Bergwiesen rundum. Es ist mild, von irgendwoher aus der Dunkelheit fröhliches Gelächter. Man sitzt auf der Terrasse und genießt den Abend. Plötzlich bricht es los. Erst ist es wie ein Donner, dann ein Knattern wie Maschinengewehrfeuer, dazwischen ein Blitzen und Krachen und schließlich baut sich, im Bereich Ehrenbachgasse-Malinggasse und darüberhinaus, bis hinunter an die Ache, eine Lärmkulisse auf. Es ist geradezu eine Schockwelle, zigfach zurückgeworfen von den Wänden der einzeln liegenden Vorstadthäuser. Ältere Menschen fahren erschrocken auf und suchen Orientierung. Hunde und Katzen geraten in Panik, nehmen Reißaus.

 

Ein Anruf bei der Polizei wird geradezu zum Schrei-Dialog wie bei Artilleriebeschuss. Auf dem Posten versteht man den Anrufer nicht und umgekehrt versteht man den Beamten nicht. „Unverständlich, dass so etwas erlaubt ist.“ Anwohnerin Bettina Prader schüttelt den Kopf: „Voriges Jahr ist unser kleiner Yorkshire Terrier gestorben, der wäre bei sowas durchgedreht.“ Bettina stellt klar: „Feuerwerke sollten nur im Zusammenhang mit der Stadt Kitzbühel bei offizielle Veranstaltungen erlaubt sein. Wo kommen wir denn hin, wenn hier jeder herum schießen wollte, wie es ihm gerade in den Sinn kommt.“

 

BH Sub Referent Franz Überall erläutert: „Das Pyrotechnikgesetz ist ein Bundesgesetz und sehr weit gefasst. Immerhin haben jedoch der Bürgermeister von Kitzbühel und seine Kollegen mit Anstrengung durchgesetzt, dass wenigstens ab 22:00 Uhr jegliches Böllerschießen verboten ist. Das Gesetz,“ so erläutert Überall, „geht davon aus, dass die Bürger zu jeder Nachtzeit Freude an einem Feuerwerk haben. Nicht einmal für 00:00 Uhr ist ein Limit gesetzt.“ Das einzige, was Franz Überall von der BH tun kann, ist eine peinlich sorgfältige Überprüfung der Sicherheits-Auflagen und eine strikte Überprüfung bezüglich der Anwesenheit eines ausgebildeten Pyrotechnikers.

 

Mit der Anmerkung der Behörde: „Lasst euch doch lieber etwas anderes einfallenerfreut ist die Bevölkerung darüber nicht,“ muss schlussendlich die Genehmigung doch erteilt werden. McKinsey sieht das anders. Neben einer Entschuldigung des Direktors an die Betroffenen, hieß es dann auch gleich wieder von anderer Seite im Haus: „Wir bringen schließlich eine Menge Geld nach Kitzbühel und schaffen Arbeitsplätze.“