17. Nov. 2016

Rauschgift und Antiquitäten, das Big Business unserer Zeit

Vom 18. bis 20. November 2016 fand Österreichs größte Antiquitäten Messe im Innsbrucker Messegelände statt. 120 Händler und Galeristen aus zehn Nationen präsentierten ihr Angebot. Wie immer bot die Messeleitung perfekten Service und ein optimales Ambiente und festigte so, einmal mehr, den hervorragenden Ruf der Innsbrucker Messe. Ein vergleichbares Engagement konnte man durchaus auch von den Ausstellern erwarten.

Das enthebt uns jedoch nicht der schmerzlichen Frage: „Was ist aus dem Antiquitäten bzw. Kunsthandel insgesamt geworden? Klartext aus einem Münchner Versteigerungshaus: Die Branche ist kriminell durchsetzt. Es sind  geradezu Herden schwarzer Schafe, die es geschafft haben den Ruf des Antiquitätenhandels in Zweifel zu ziehen. Schlimmer noch, organisierte Kriminalität hat sich im hochpreisigen Kunstmarkt eingenistet. Milliarden an Schwarzgeld werden da umgesetzt. Ein Geschäft, fast so lukrativ, wie der Drogenhandel. Der Handel mit Raubkunst findet in unvorstellbaren Dimensiomen statt. Ganze Tempel aus der Khmerzeit verschwamden in Kambodscha vom Erdboden. Die zersägten figuralen Bruchstücke wurden durch den Zoll geschmuggelt, vorwiegend in Richtung Schweiz, wo Antiquitäten zweifelhafter Herkunft nach ein paar Jahren per Gesetz „clean“ werden, um dann auf dem europäischen und US-amerikanischen Kunstmarkt anstandslos verhökert zu werden. Sie lagern dort in großen Depots und warten auf Freigabe.

Beim angloamerikanischen Überfall auf den Irak wurden die Museen während des Einmarsches der US Truppen auf Bestellung geplündert. Um die Invertarlisten und damit Spuren zu vernichten, steckte man die Nationalbibliothek in Bagdad in Brand. Bei alledem schaute die US Army tatenlos zu. Nur das Erdölministerium durfte geschützt werden. Anonsten hatte Washington jedes Eingreifen und jede Schutzmassnahme verboten. Ein Gag am Rande: Artefakte waren bereits bezahlt und verkauft worden, ehe sie überhaupt geraubt waren. Museumskataloge hatten dabei als Verkaufsunterlagen. gedient Alles in allem, neben den Naziräubereien an jüdischem Eigentum und dem Kunstraub der Alliierten, im besiegten Deutschland, war das, was im Irakkrieg stattfand, wohl das größte Verbrechen an der Kulturgeschichte der gesamten Menschheit..

Freilich wird derlei Hochkarätiges in Innsbruck nicht angeboten. Dennoch, das System von Diebstahl, Manipulation Fälschung und Steuerhinterziehung gehört als fester Bestandteil zum Alltagsgeschäft im internationalen Antiquitätenhandel. Jede zweite Antiquität soll Statistiken zufolge, angeblich manipuliert sein. Das Problem: Die maßlose Sammlergier erstickt Gewissen und Anstand bereits im Keim und natürlich den Scharfblick fürs Echte. Und was einst in der Verantwortung zertfizierter Atiquitätenhändler lag, das hat heute vorwiegend ein Heer von Trödlern, Entrümplern und Schrotthändlern übernommen. So mancher von ihnen, kooperiert mit Werkstätten, die aus alten Teilen bzw. aus den Fragmenten verschiedenster Möbelstücke Nachschub für den Antiquitätenhandel produzieren. Beschläge werden nachgegossen bzw. geschmiedet. Inzwischen hat sich eine reproduzierende Industrie etabliert, die aus alten Resten neues altes herstellt. Später findet man eben dieses Alte Neue, gemischt mit echtem Alten auf Flohmärkten und Antik Messen wieder..

Es stellt sich daher auch für Innsbruck die Frage: Wo darf der Käufer das glänzende und teure Stück einordnen, das ihm so sehr gefällt? Unter weitgehend original? Unter teilweise restauriert oder unter nachgebaut? Eine Expertise bzw. eine Echtheitsgarantie mit Hinweis auf den Grad der Restaurierung sollte für jeden Händler zur Pflicht werden. Und als ausgesprochen hilfreich, würde sich neben der Finanz eine wachsame Polizei erweisen, die nicht nur anhand ihrer Diebstahlslisten die Ausstellung kontrolliert.

Bleibt Am Ende die legitime Frage, ohne jede Schuldzuweisung. Wer sind die Veranstalter von Märkten und Antikmessen. Sind es Netzwerke, sind es Scheinfirmen, sind es Hehler oder gehören sie zur seriösen Spezies des Antiquitätenhandels?

Wir werden gelegentlich die Macher von Antikmessen genauer unter die Lupe nehmen.

Teller aus dem Speiseservice "Kurland" KPM Neuauflage höchstens 20-30 Jahre alt
Gefälschte Barocktruhe unter Verwendung weniger original Restfagmente
aus ehemals geraden Schubladen versuchte der Fälscher geschwungene Formen zu manipulieren.
schlampig gestückelter Rundbogen
Nachgegossene Beschläge
"entlarvte" Schublade
Die ganze traurige Wahrheit: Spanplatte für die Schublade verwendet
Deutlich erkennbar, die deformierten Schubladenfronten
Und hier die Unanständigkeit Hoch drei. Antiquitätenkauf nur un Begleitung von Fachleuten.
Ein gefälschter Alfons Walde
Im Antiqutätenhandel aufgetaucht
Versehentliches Echtheitszertifikat eines Nachfahren von Alfons Walde
Vorzugsweise gefälscht: Orden. Über zwei Drittel sind manipuliert