28. May. 2016

Unzensuriert, ein Stachel im Fleisch der Inkompetenz

Die FPÖ im Internet: "Tag für Tag ein Propagandastück", so zetert „Profil“ über das Web-TV der Freiheitlichen.

"Unzensuriert", so der Titel des FPÖ-Web-TV. Parallelwelten, Halbwahrheiten und Propaganda seien das, so "Profil“. Mag sein. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass die FPÖ die Etablierten vor sich hertreibt und sie in ihrem unkreativen Dämmerzustand in Schrecken versetzt.

Freilich, so etwas kommt beim Wähler an und es vermittelt den Eindruck, hier sei eine innovative und kraftvolle Partei am Werk, die zunehmend vergreisende, faul und träge gewordene Mitte-Links-Parteien aus dem warmen Bettchen scheucht und das Fazit hinterlässt: „Endlich geschieht mal was“. Ob dies tatsächlich so ist, mit der "innovativen kraftvollen Partei", sei dahingestellt und das ist auch nicht das Thema. Fakt ist, die FPÖ hat etwas auf die Beine gestellt, wozu die Mitte-Links-Altparteien offenkundig unfähig sind.

Dazu resümiert Profil: „Unzensuriert.at ist eine Website, auf der Propaganda im freiheitlichen Sinne verbreitet wird. Die Blauen haben es geschafft, sich eine digitale Parallelrealität aufzubauen mit eigenen Sites, mit Videonachrichten und Facebook-Accounts. Fans und "besorgte Bürger" werden dort permanent mit parteigenehmen Informationen versorgt. Die Online-Inszenierung erklärt einen Teil des Erfolgs der Freiheitlichen. Weitgehend unbemerkt von den traditionellen Medien und klassischen Parteien entsteht im Netz ein neuer Machtfaktor in der Meinungsbildung.“ 

Szenenwechsel, Fallbeispiel: Seit Jahren poliert Kitzcam, die Produktion von Kitzbühel-TV, in Tirol die Türklinken des Landhauses mit einem gut durchdachten Web-TV-Konzept unterm Arm. Unabhängig von YouTube entwickelt, von einem Anbieter, der mit seinen Projekten in Europa Furore macht. Seine Gustostückerln: Aufwendige Visualisierungen unter anderem für Audi, Bang & Olufsen, das Deutsche Museum München, die internationale Modemesse Berlin und den Münchner Flughafen. Das Webkonzept von Kitzcam sah eine ARGE aller interessierten Web-TV-Produzenten in den Tiroler  Bezirken vor, um ein gemeinsames Landesprogramm zu betreiben. In einem weiteren Schritt hätte Südtirol, Tirol und das Trentino zu einem Euregio-TV mit eingebunden werden sollen. Ein Bayerischer Spitzenpolitiker quittierte die Einladung - „Bayern könne da doch auch mitmachen“ - mit einem süffisanten Schmunzeln: „Des is scho schwierig mit den Tirolern, da hat jeder so seine eigenen Interessen.“ Soweit die Anmerkung des CSU-Vize, unlängst im Kitzbüheler Country Club zum Thema „Euregio TV“.

In der Tat, so war es dann auch. Herwig van Staa, grenzüberschreitender Denker mit Durch- und Weitblick, gab einen Deutsch/Italienischen Pilotfilm über den vorletzten Dreierlandtag zu Schwaz in Auftrag, der von Beginn an, auch heute noch auf der Landtagsseite „glänzt“, allerdings im Standbildmodus, denn niemand tut es sich an, ihn zum Laufen zu bringen.

Das Euregio-Büro in Bozen seinerseits ging gleich einmal in Deckung und reagierte erst garnicht auf das Angebot, den Film zu spielen.

„Zwingen kann man die Leute halt nicht, wenn sie nicht wollen.“ So resümierte damals der Landtagspräsident und in Brüssel bei EuroparlTV, dem Medienpool der EU, reagierte man diskret verwundert ob der Gleichgültigkeit in Tirol.

Fazit: Solange Beziehungsgeflechte wie interner Parteienfilz, Referentenklüngel und Freunderln eine quasi Schattenregierung bilden, ist dem Politiker, wie gut er auch immer sein mag, an die 50 % seiner Durchsetzungskraft genommen.

Nein, die FPÖ hat das Pulver nicht erfunden. Sicher nicht. Die Infrastruktur ist halt professioneller.