23. Apr. 2013

Weiberleut...´s isch EURE ZEIT! Frauenpower in Kitzbühel

Es ist wohl dem Verdienst der Veranstalter, Sonja Palmer und Horst Ebersberg, zu verdanken, dass im angenehmen Ambiente des Kaiserhofs zu Kitzbühel ein Gesprächs- und Diskussionsabend zur Rolle der Frau in Gesellschaft und Politik zustande kam, ohne dass hierbei der ganz große Wahlkampf stattfand. Im Vordergrund stand die Frage: Hat es die Frau erreicht, sich auf Augenhöhe mit dem Mann empor zu arbeiten und was unterscheidet Mann und Frau wesentlich im Umgang mit dem politischen Gegner. Und da gibt es offensichtlich, wie Andrea Haselwanter-Schneider von der Liste Fritz anschaulich darlegte, spezifisch weibliche Eigenschaften: Die Frau in der Politik zeichnet sich aus durch mehr Respekt vor dem anders Denkenden und wohl auch durch ein paar Prozent mehr an Vernunft, um nicht, wie Männer das gerne tun, als katalanische Kampfstiere aufeinander loszugehen. Im Landtag gäbe es einen parteiübergreifenden Dialog zwischen den weiblichen Mandataren, den es unter den Männern so nicht gäbe, bestätigte die Grünen-Abgeordnete Christine Baur. Ein Blick in die Geschichte: Die Emanzipation der Frau begann zeitgleich mit dem Beginn der Aufklärung. 1754 promoviert Dorothea Erxleben aus Quedlinburg mit Erlaubnis des preussischen Königs als erste Frau nach einem Hochschulstudium in Medizin. Es ist dies die Zeit, der von Frauen geführten Salons in den Häusern des Adels und des reichen Bürgertums des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein typisches Beispiel, der Salon der Rahel Varnhagen (Rahel Levin) in Berlin, wo man sich traf, um Visionen auszutauschen. Eine Art politisch-literarische Denkfabrik mit den verschiedensten weltanschaulichen Ansätzen. Mit dabei unter anderem: Bettina von Arnim, Prinz Louis Ferdinand von Preussen und seine Geliebte Pauline Wiesel, Heinrich Heine, Jean Paul, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Fürst Pückler-Muskau, Friedrich Hegel. Die eigentliche Frauenbewegung begann sich zu Beginn des Industriezeitalters zu formieren. Es gab die bürgerlich geprägte Frauenbewegung, deren Vorkämpferin Henriette Goldschmied sich als Sozialpädagogin in der Kindererziehung auszeichnete und Helene Lange, die als Lehrerin 1890, die Zulassung der Frauen zur Matura und die Zulassung zum Studium erwirkten. Beide Frauen sahen die Frauenbewegung unter dem Aspekt des uneingeschränkten Zugangs zu Bildung und Beruf. Die sozialistische Frauenbewegung, unter anderem Klara Zetkin, sah die Frau insbesondere als Mitgestalterin eines politisch vorgegebenen Systems. Erst seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann eine umfassende Mitgestaltung der Frau in allen gesellschaftsrelevanten Bereichen. Ein Prozess, der bei weitem noch nicht abgeschlossen ist, wie die Tiroler Politikerinnen unisono betonten. Soweit ein Rückblick auf die Geschichte zur Emanzipation der Frau. Im Verlaufe des Abends leistete sich die Frauenriege auf dem Podium einen Ausflug in den Populismus, als sie die Frage bejahte, ob eventuell der Deal rund um den Kitzbüheler BH-Neubau rückgängig gemacht werden könnte. Angesichts der Tendenz, dass derzeit wertvolle Bausubstanz in der Kitzbüheler Altstadt für zig Millionen meistbietend verhökert wird, kann der Erwerb des ehemaligen Kössener Gewerkehauses nicht hoch genug eingeschätzt werden. Einig war man sich über die Notwendigkeit einer Umfahrung Kitzbühels, die in schöner Regelmäßigkeit zu Wahlkampfzeiten thematisiert wird. Einig war man sich auch darüber, dass man zu Lebzeiten wohl nie ein solches Projekt erleben würde. Immerhin, die bauliche Situation in Kitzbühel ist diesbezüglich äußerst schwierig. Ein sehr stichhaltiges Argument der Grünen Obfrau, Ingrid Felipe: „Man kann nicht immer nur eine Lösung im Straßenbau sehen, denn es ist eine Tatsache, dass Straßenneubau den Verkehr anzieht.“ Insbesondere ist den Kitzbühelern der Schwerlastverkehr über den Pass Thurn ein Dorn im Auge. Aus Kitzbüheler Sicht kann man als Fazit des Abends feststellen: Wenn woanders noch über die Leistung der Frau in der Gesellschaft diskutiert wird, ist Kitzbühel längst zwei Schritte voraus. Denn es gibt wohl kaum jemanden hierzulande, der die Leistungen der ehemaligen Gemeinderätin, Fini Sulzenbacher, nicht würdigen und anerkennen würde. Für ihre Leistungen als Frau in der der Politik, nimmt man gerne ihre etwas anstrengenden Monologe in Kauf. Oder anders herum, sind wir zu ungeduldig geworden, zuzuhören?

v.l.: Susanne Wunderer, Ingrid Felipe, Christine Baur, Andrea Haselwanter, Ingrid Tschugg, Moderation: Johanna Egger
Weibliche Selbstdisziplin: Keine Mogelpackung, Kein Wahlkampf!
Horst Ebersberg, Amerika-Reisender, Journalist, Begründer der "Kitzbüheler Gespräche"
Erste Ansätze, die Salons: Rahel Varnhagen von Ense/Levin; Bild: Bundes-Archiv Berlin
Bettina von Arnim Bild: Stiftung Preuss. Kulturbesitz
Pauline Wiesel-Schroeder, Intimfreundin von Rahel und Geliebte von..... ? Bild: BA
Louis-Ferdinand von Preussen, Neffe Friedr. d. Gr. Bild: Stiftung Preuss. Kulturbesitz
Alexander v. Humboldt Naturforscher und Kosmopolit; Bild: Stiftung Preuss. Kulturbesitz
Frauenbewegung 1849 Forderung: Kindergarten, Höhere Schule und ungeingeschränktes Hochschulstudium
v. l. Klara Zetkin, Rosa Luxemburg Emanzipation der Frau über den Sozialismus; Bild: BA