05. Apr. 2010

Das Riesenrundgemälde in Innsbruck

Soll das Rundbild in der Rotunde bleiben oder unter musealen Bedingungen im Bergisel-Museum ausgestellt werden? Der jetzige Rundbau ist nicht geeignet, ein wertvolles Gemälde unter musealen Bedingungen zu präsentieren. Dafür war die Rotunde auch nie gedacht. Sie ist ein Leichtbau, nur für eine Touristenattraktion konzipiert. Schon immer ein Provisorium, mehr nicht. Inzwischen entsteht am Bergisel so etwas wie eine Museumsinsel. Ein Areal, auf dem Tiroler Geschichte konzentriert und didaktisch gut aufbereitet präsentiert werden wird. Vorbei ist die Zeit der Panoptiken und des Historienspektakels. Das, was übrig blieb aus alten Zeiten ist zu wertvoll, um nicht fachgerecht unter konservatorischen Bedingungen präsentiert zu werden.


Zur Geschichte des Gemäldes: Nichts ist so sehr im Tiroler Bewusstsein verankert wie der Freiheitskampf von 1809 gegen den Unterdrücker Napoleon und seine bayerischen Verbündeten. Unter dem Eindruck des Geschehenen entstand 1896 auf 1000 Quadratmetern ein Riesenrundgemälde der dritten Bergisel-schlacht. Ein imposanter Beleg für die Panoramamalerei des 19. Jahrhunderts und dieses Genre war, wenn man so will, eine Art Vorwegnahme der Cinemascope- Historienfilme aus den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Und wie bei derlei Filmen üblich, ging es auch damals um eine Mischung aus Patriotismus und Geschäftssinn.


Kein Geringerer als der bedeutende Münchner Panoramamaler Michael Diemer, ein Protagonist der Münchner Schule, hatte das Gemälde geschaffen. Bereits im ersten Winter nach Fertigstellung verursachten eindringende Schneemassen schwere Schäden am Panorama und obendrein brannte 1906 die Rotunde ab. Zu dieser Zeit befand sich das Rundbild aber auf der Weltausstellung in London. Eine neue Rotunde wurde gebaut. Doch das Geschäft mit dem Historiengemälde wurde zum Flop. Das Publikum blieb aus. Und so ging das Panorama 1917 als Leihgabe in den Wiener Prater. Auch hier stieß das Gemälde kaum auf Interesse. Am Ende lagerte man das Bild ein und 1924 wurde es versteigert. Josef Hackl, ein Innsbrucker Gastwirt, brachte das Panorama heim nach Tirol und die halbverfallene Rotunde ließ er restaurieren.


Angesichts einer sich verändernden Bewusstseinslage wurde das Riesenrundgemälde im Laufe der Jahrzehnte vom Showbiz zum tiroler Kulturgut und damit liegen Verantwortung und der dringende Handlungsbedarf für den Erhalt des Bildes heutzutage beim Land Tirol.
Wieder sind Gemälde und Rotunde in desolatem Zustand. Vom damaligen Bewusstsein der Zeit ausgehend, das Panoramabild gewinnbringend zu präsentieren, wird verständlich, wieso auf die bauliche Qualität des Ausstellungspavillons selbst wenig Wert gelegt wurde, denn der museale Aspekt im Sinne von sachgemäßer Erhaltung und Bewahrung, der kam erst viel später ins Spiel.