02. Jan. 2010

Der Maybach ist tot, doch die Legende lebt

Karl Maybach war einer der bedeutensten Motorenkonstrukteure. Hervorgegangen aus dem Hause Daimler und Benz machte er sich selbstständig und entwickelte Zeppelinmotoren. Als der Versailler „Friedens“-Vertrag Deutschland den Luftschiffbau 1918 verbot, verlegte sich der Schwabe auf den Automobilbau. Aus den Erfahrungen mit dem Bau der Zeppelinmotoren, die sich durch extrem zuverlässige Langlaufeigenschaft ausgezeichnet hatten, entstand in den Maybachwerken Friedrichshafen am Bodensee ein 12 Zylinder Automobilmotor. Und um ihn herum, der „Maybach Zeppelin“. Das qualitativ beste Automobil, das jemals gebaut wurde.
Schwerpunkt blieb bei Maybach der Motorenbau für Schiffe, Diesellokomotiven, Panzer und Halbkettenzugmaschinen. Nach dem Krieg ging Maybach in der MTU auf, die weiterhin hochwertigste Schiffsdiesel, Panzer- und Lokomotivenmotoren in der bekannten Maybachtradition baut. 2002 hatte Mercedes versucht, die Nobelmarke wiederzubeleben. Doch der Jubel kam zu früh. Mercedes, inzwischen ein grundsolider Durchnittskonzern geworden, war mit der Marke Maybach und dem damit verbundenen Nymbus weit überfordert. Den Stuttgartern gelang am Ende nur ein aufgepumpter Mercedes. Die Marke Maybach neu zu positionieren, scheint misslungen Das gewisse Etwas, das die traditionsbewussten Briten sich mit Rolls Royce erhalten haben und mit Bentley auf die Räder bringen, besitzt Mercedes längst nicht mehr. Spätestens nach den sechziger Jahren ging der Slogan um „jeder Metzger fährt heutzutage Mercedes“. Nichts gegen Metzger, aber mit dem Feeling für echte Noblesse scheint es vorbei zu sein, bei Daimlers. Es sei denn, man verwechsle Protz mit Noblesse. Liegt es an der Struktur des Konzerns, den Verbürokratisierung plagt und Mangel an Inputs? Sie bauen gute Autos, die Stuttgarter, solide Autos, schöne Autos. Aber als es mit Maybach um das ganz Besondere ging, da hätte, abgesehen von den Briten, besser Porsche über die Namensrechte verfügt.