16. Jul. 2015

Kitzbühel: „Bürgermeister Fernsehen“ - Machtmissbrauch?

„Lieber in einem Dorf der Erste, als in Rom der Zweite“. Dieser Satz des römischen Staatsmannes Cajus Julius Caesar, gilt für all jene, die sich der Macht bedienen, um zu gestalten und Visionen zu realisieren, egal wo.

Für diese Spezies der Mächtigen, ist die sinnliche Lust an der Macht zweitrangig. Sie erliegen dieser Verführung erst, wenn das Ziel erreicht ist. Dann zelebrieren sie Macht genussvoll in Form von Würde und ostentativ gezeigter Weisheit.

Zwei klassische Beispiele: Nelson Mandela und Heinz Fischer.

Demgegenüber steht ein Typ Mensch, der Macht, nachdem er sie erlangt hat, weniger als Mandat betrachtet, sondern eher als persönliches Wohlfühl-Erlebnis.

Sein Charakter hat von Anfang an den Sinn der Macht nicht verstanden oder er ist den äußeren verführerischen Umständen der Macht von vornherein erlegen. Dieser Typus hat das Zeug zu einem kritikresistenten Tyrannen. Genau da scheiden sich die Geister zwischen strategisch intelligenter und selbstkritischer Anwendung von Macht einerseits und einem vom Ego und Eitelkeiten bestimmten Machttrieb.

Wer in diesen Wochen und Tagen die Hype um das sogenannte „Bürgermeister Fernsehen“ verfolgt, der wird die Vorwürfe der stadtpolitischen Opposition und die Rechtfertigungsversuche des Bürgermeisters einzig an die Frage koppeln: Wurde hier Macht missbraucht oder wurde der Eindruck von Machtmissbrauch durch journalistische Inkompetenz und Schönrederei erweckt.

Wie überall im Leben ist weder das eine, noch das andere eindeutig zuzuordnen. Von Machtmissbrauch kann jedenfalls keinesfalls die Rede sein und ein kritikresistenter Tyrann ist Bürgermeister Klaus Winkler sicher nicht. Was ihm aber zugeordnet werden muss, ist, wie bei den meisten Politikern, ein unterentwickeltes Bewusstsein für Geschmacksfragen, wenig Ahnung von den Prinzipien des Journalismus und eine kaum zu bremsende geradezu naive Lust am Monolog. 

Das Problem liegt in der Führung durch den Journalisten und die darauf folgende Themengestaltung. Der Redakteur trägt die Verantwortung für eine zumutbare Darstellung des Sachverhaltes.

Gesellschaftspolitische Berichterstattung ist ein heikles Thema. Es hieße, einen Burschen von der Stadt Apotheke aus mit einem 10 Liter Glasballon Schwefelsäure durch die Vorderstadt zu schicken, wenn man Schöngeister damit betraut, politischen Journalismus zu betreiben.

Die Folge im wahrsten Sinne des Wortes: Der Schuss ging nach hinten los. Für Bürgermeister Klaus Winkler ein harter Brocken: Der Vorwurf der Medienmanipulation. Gerechtfertigt oder nicht.

Das Wort steht im Raum und das Ansehen des Amtes ist beschädigt, wer auch immer dafür verantwortlich ist.

 

Anm.: Die diskutierten, angeblichen Propagandaberichte aus dem Rathaus, werden nicht von Kitz TV produziert. Die Aufträge dazu kommen aus dem Rathaus. Per Weisung werden sie bei Kitz TV ausgestrahlt.