04. Sep. 2015

[Kommentar] Eine Stadt verbaut sich ihre Zukunft

Wer die Berichterstattung der TT bezüglich des Immobilien Szenarios in Kitzbühel anschaut, den überkommt nur noch Widerwille. Die Luft ist verpestet von Habgier und Gewissenlosigkeit. Die Haie, die früher in dieser Gegend das Urmeer bevölkerten und von denen heute noch im Wilden Kaiser Versteinerungen zu finden sind, scheinen wieder aktiv geworden zu sein und diffamieren durch ihr hemmungsloses Vorgehen den guten Ruf alteingesessener Makler.

Stadt- und Landespolitik tragen die Verantwortung für den Wildwuchs an Widmungen und der fehlenden Kontrolle der Zweitwohnsitze. Gerade in Regionen von so hohem Freizeitwert, liegt Tangentopoli nahe, d.h. Verflechtungen, denen nur noch der finale Schuss fehlt, um sie als mafiös zu bezeichnen. Sogar die Finanzbehörden stehen auf der Bremse. So mancher Beamte wurde schon „von oben“ getadelt, wenn er zu eifrig auf Vollzug der Gesetze pochte. Der lange Arm ehemaliger Spitzenmanager, und Vorstandsvorsitzender reicht weit, wenn sie sich von Behördenvertretern beim Kauf einer Immobilie belästigt fühlen.

Familientragödien sind, bei alledem nichts  Ungewöhnliches: Da wurde ein gewisser Günther Gerzabek von der Zweitbank seines verschuldeten Bruders mit seinen Freilandgrundstücken zu einer Bürgschaft veranlasst, obwohl die genau  wusste, dass gegen Letzteren ein Insolvenzantrag der Gebietskrankenkasse vorlag. Der verschuldete Bruder ging bald darauf pleite und der Bürge wurde zur Kasse gebeten. Allerdings  wurde ihm die Umwidmung seiner Gründe in der Flur Oberhirzing im Seenschutzgebiet Schwarzsee verweigert.

Die Teilhaberin an der damaligen Wohnbaugesellschaft kaufte das Freiland ohne zu diesem Zeitpunkt in Kitzbühel gemeldet zu sein. Damals machte besagte Teilhaberin gegenüber der Grundverkehrsbehörde geltend, sie stamme von einem Bauernhof im Salzburger Land.

Das reichte der Behörde. Der Freilandkauf wurde genehmigt. Sie durfte das Freiland nicht nur ohne weiteres kaufen, sondern erhielt bald danach problemlos, nach einstimmigen Gemeinderatsbeschlüssen, eine Umwidmung zu Bauland. Mitten in dem von einem Bach durchzogenen Biotop im Talgrund entstand eine Siedlung.

Auch einen gegenüber liegenden Sonnenhang, Freiland mit einer Waldparzelle und mit Blick auf den Schwarzsee, hatte die Wohnbaugesellschaft aus der Bürgschaft erworben. Nun bot sie an, einen Teil des Geländes im Talgrund von Oberhirzing rückzuwidmen im Tausch für eine Widmung des Sonnenhangs inklusive Waldparzelle. Auch das wurde vom Gemeinderat genehmigt. Der ursprüngliche  Eigentümer verlor am Ende auch sein Elternhaus und es wurde ihm eine Sozialwohnung zugewiesen. Alles  verlief nach Plan. Der Hang wurde bebaut und ein Teil des Waldes wurde ohne vorherige Genehmigung abgeholzt.

Der ehemalige Eigentümer, Journalist und Absolvent der Filmhochschule München, ist an alledem zerbrochen und heute auf Hilfe weniger Freunde angewiesen.

Bleibt nachzutragen: Der Finanzier des ganzen Deals und Lebensgefährte der zuvor beschriebenen Dame, wird, bzw. wurde von den Finanzbehörden Oldenburg gesucht. Er ist mit ihr spurlos verschwunden.

Wie heisst es in Bert Brechts Dreigroschenoper: „Denn die einen sind im Dunkeln und die andern sind im Licht und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.“ Die im Lichte sind steinreiche Großunternehmer mit bekannten Namen und so manche ihrer Luxusvillen rund um Kitzbühel stehen auf zerbrochenen Schicksalen.

Was die Kitzbüheler selbst betrifft, so kann man auch hier Bert Brecht zitieren:

„Sie sägten die Äste ab, auf denen sie saßen
Und schrieen sich ihre Erfahrungen zu,
Wie man schneller sägen könnte, und fuhren
mit Krachen in die Tiefe, und die ihnen zusahen,
Schüttelten die Köpfe beim Sägen und
Sägten weiter.“

 

Anmerkung: Das Biotop wurde während der Bauarbeiten gefilmt. Damals zeigte die Aufschüttung und der Rest des Biotops selbst, starke Verunreinigung mit Bauschutt Plastilteilen und Baustoffen aller Art.

Ob nach unserer Berichterstattung über die Beschaffenheit der Aufschüttung, Konsequenzen gezogen wurden, kann heute nur der damalige Bauherr mit Sicherheit beantworten.

Fragen dazu können wir nicht  beantworten, ebensowenig können wir dazu ausdrücklich keine Vermutungen anstellen.

 

Rolf Dieter Lehner

 

Oberhirzing, in das Biotop gebaut, aus einem Video geht hervor: Aufschüttung mit Bruchsteinen und einer Schüttung,