26. Aug. 2015

[Kommentar] Markt für Eigentumswohnungen eingebrochen

Wenn man RE/MAX, Österreichs Immobilien Guru Nr. 1, folgt und seinem großen Immobilien-Report, dann scheint sich eine Stagnation mancherorts, sogar ein Preisverfall beim Angebot für Eigentumswohnungen abzuzeichnen. Nicht dass die Nachfrage nach Immobilien stagniert, doch, wie gesagt, die Preise fallen. Ausgerechnet in Kitzbühel findet ein dramatischer Preiseinbruch für Eigentumswohnungen statt.

Woran liegt das? Verdrängte Ängste kommen hoch. Hat die Branche zusehr überzogen? Herrscht hemmungsloser Immobilien-Wildwuchs, ist aus Heimat Ware geworden? Kommt nun doch die Quittung für die substanzvernichtende Bau- und Raumordnungspolitik?

Wer von Wunschdenken und Schönreden frei ist und in der Lage ist, der Zukunft gerade in die Augen zu schauen, der nimmt so manches wahr, das zusammengenommen mehr ist, als nur eine leicht kränkelnde Weltlage. In China ist, was die Wirtschaft bertrifft, wohl weit mehr umgefallen als nur ein Sack Reis. Ein gravierendes Element: Die Destabilisierungspolitik der USA im Nahen Osten und der kriminelle Raubbau der Großkonzerne in Afrika, hat ein nicht mehr zu bremsendes kontinuierliches Anschwellen einer Völkerwanderung ausgelöst. Das wird Europa globalstrategisch, gewollt oder nicht, über kurz oder lang bis zur Unkenntlichkeit destabilisieren. Wenn sich die Regierung bereits jetzt schon das Durchgriffsrecht auf Wohnraum für die Unterbringung von Zuwanderern und Flüchtlingen vorbehält, ist das kein gutes Zeichen. Wer Immobilienhandel betreibt und diese Parameter nicht mit einbezieht, der hat ganz einfach die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

Doch noch ist der Immobilienhimmel derzeit erst leicht bewölkt. Heuer wurden, so schreibt Format unter Berufung auf RE/MAX: „21.500 Wohnungen im ersten Halbjahr 2015 im Österreichischen Grundbuch verbüchert. 36 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum Jänner bis Juni 2014“. Doch dann kommt der Haken. Die Preise für Wohnungen sind leicht zurückgegangen und zwar Österreichweit. Man zahlt für eine „Mittelklasse-Wohnung“ im Schnitt gute 2% weniger als im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor. Im oberen Preis-Segment sind es 2,7% weniger, die man im Verhältnis zum gleichen Zeitraum 2014 hinblätttern musste.

Dazu zitiert Format den Geschäftsführer von RE/MAX Austria: „Bereits im Jahr 2014 verzeichneten wir am Jahresende ein All-Time-High am Eigentums-Wohnungsmarkt. 2015 ist der Markt quasi explodiert und zwar nicht preismäßig, sondern mengenmäßig. In Österreich ist bei den Wohnungspreisen derzeit eine Seitwärtsbewegung festzustellen“. So Bernhard Reikersdorfer.

2013 wurden im Immobilienhandel immer größere Eigentumswohnungen angeboten. Dieser Trend ist seit 2014 abgerissen und das ist im ersten Halbjahr 2015 deutlich so geblieben. Die derzeit angesagte Eigentumswohnung hat eine Größe von etwa 67 m² Größe. „Kleinere Wohnungen sind derzeit also leichter zu vermitteln und leichter zu vermieten. Der demografische Wandel in Richtung Singles und Kleinfamilie unterstützt diesen Trend. Und nicht zuletzt sind auch die Wohnungspreis-Steigerungen der letzten Jahre mit dafür verantwortlich, dass sich finanziell bei so manchen Käufern nur mehr eine kleinere Wohnungsfläche ausgeht“, erklärt Mag. Anton Nenning, Managing Director und Medien Ansprechpartner von RE/MAX gegenüber Format.

Vom Bundesvergleich zur Lage in Tirol: Hier erbrachten verkaufte Eigentumswohnungen im ersten Halbjahr 2015 satte 48% Plus. Die höchste Steigerungsrate unter allen Bundesländern. Gemessen am Wert der angebotenen Eigentumswohnungen am Markt, liegt Tirol hinter Wien auf Platz 2. „Die Preise für Eigentumswohnungen sind im Neubau-Bereich im Großen und Ganzen stabil geblieben. Was allerdings bereits genutzte Eigentumswohnungen betrifft, so gibt es in vielen Bezirken einen erkennbaren Preisverfall.

Eine Ausnahme bildet Kitzbühel: Die Gamsstadt liegt entgegen dem Landestrend, was den Kauf von Eigentumswohnungen betrifft, gute 20% hinter den Vorjahreszahlen. Offensichtlich sind die Preise in Kitzbühel derzeit ausgereizt. Die Luft unterm Wilden Kaiser wird zunehmend dünner. Jedenfalls, was Eigentumswohnungen betrifft. Diese Nachricht scheint allerdings noch nicht bei allen potentiellen Verkäufern angekommen zu sein. Immerhin werden sogar ehemalige Sozialwohnungen saniert und teuer verkauft.

Die teuerste 2015 im Tiroler Grundbuch neu verbücherte Wohnung kostete 3,5 Mio. Euro. Die Adresse lautet: St. Anton am Arlberg. Gleich darauf folgt Kitzbühel mit zwei Wohnungen um 2,5 Mio. Euro.

Die 20 Premium Wohnungen in Tirol, ab 1,5 Mio. Euro, sind auf folgende Standorte verteilt: In Kitzbühel und St. Anton stehen je 7 solcher Nobelwohnungen zum Verkauf. In Kirchberg4 und in Going und in Reith ist jeweils eine Premium Wohnung zu haben.

 

Quellen: Format, RE/MAX

Rolf Dieter Lehner

Bernhard Reikersdorfer, Foto: RE/MAX
Anton Nenning (rechts), Foto: RE/MAX