14. Oct. 2014

Landesgedenken: 100 Jahre Beginn des Ersten Weltkriegs

Vor genau hundert Jahren, das war 1914, da begann sich Europa in Neid, Hass und Rache zu zerfetzen. Die Völker gingen mit hysterischem Jubelgeschrei aufeinander los und zerfleischten sich vier Jahre lang in einem völlig sinnlosen Krieg. Am Ende waren sie alle mehr oder weniger ruiniert. Millionen von Toten, Hunger, Elend und zerstörte Landschaften. Das war das Erbe des gesamteuropäischen Wahnsinns.

Durch das Leiden und Sterben, durch darauf folgende Wirtschaftskrisen, durch Landraub und Demütigung europäischer Völker, wurde ein neuer Kriegsdämon geboren, der ein zweites Mal wütete.

Wenn es einen Gott gibt, so muss der bitterlich darüber geweint haben, was Menschen fähig waren zu tun, an Millionen ihrer Brüdern und Schwestern.

Lange hat es gedauert, bis dieses Europa wieder anfing klar zu denken. Aus Schutt Trümmern und Leichenhaufen wuchs fast unmerklich ein neuer Europäischer Geist der Vernunft. Ein Konsens, dass Frieden und Freiheit die einzige Option dafür sind, dass Menschen glücklich und in Würde leben können.

Nichts kann man dem europäischen Geist entgegensetzen, aber viel muss man tun, um ihn zu bewahren. In weiser Erkenntnis soll ein Europa entstehen, das historisch gewachsenen Regionen über nationale Grenzen hinweg, Gestaltungsfreiräume bietet.

Dies mag einer Vision Kraft verleihen, die einem gesamteuropäischen Wirtschafts- und Verwaltungsraum als zweite Kraft das Europa der Regionen und der kulturellen Vielfalt zur Seite stellt.

Wenn ausgerechnet auf einem der ehemals blutigsten Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges, dem Trentino, Südtirol und Nordtirol, nunmehr die Europaregion Tirol die Vorreiterrolle für das Euregio Konzept in Gesamteuropa übernimmt, dann ist das geradezu eine historische Pointe und mit Sicherheit ein Glücksbringer für Europa.