17. Aug. 2010

Hansi Retro 2004

Volkstümliche Musik, Schlager, Entertainment? Reichen diese Begriffe aus, um Hansi Hinterseer zu klassifizieren? Für viele freilich ja. Es reicht so, wie seinerzeit bei Luis Trenker, dem unvergessenen Entertainer aus St. Ulrich im ladinischen Gröden. Wer weiß denn schon, wie bedeutend er als Bergfilmer wurde. Der Alte wurde zum Mythos und der Junge ist auf dem besten Weg dazu.

Was läuft da ab, wenn Millionen Menschen sich durch die Aura von Männern, wie Trenker oder Hinterseer, geradezu magisch angezogen fühlen. Es sind wohl die Defizite der Massengesellschaft, die den Blick auf den Einzelnen verstellen. Damals wie heute, Persönlichkeit ist kaum gefragt. Der Mensch ist ökonomisches Potential. Produzent und Konsument zugleich. Nicht mehr und nicht weniger. So sieht die Wirtschaft den Menschen, den Verbraucher.

In dieser Welt haben Gefühle schlechte Karten. Das Irrationale wird belächelt und Emotionen sind allenfalls Störfaktoren. Nun kommt einer daher, wie der Trenker oder der Hansi und beschwört „die Liebe zu den Bergen“, reklamiert „du hast mich heut´ noch nicht geküsst“, fordert, „träum mit mir“, verspricht, „ich warte auf dich“ und schwört, „du bist alles“. Das und die tiefe Überzeugung die dahintersteht reicht, um die kollektive Verkrampfung der Leistungsgesellschaft zu lösen. Auf einmal ist man wieder Mensch unter seinesgleichen. Die Kitzbüheler Tennisarena mutiert an zwei Augustabenden zu einer Arche für jeweils 5000 Menschen, die sich nah beieinand´ gegenseitig wärmen, ganz so, wie die Schwalben einst auf dem Telefondraht vor´m Zug in wärmere Regionen. Addiert man dazu noch die Millionen Menschen an den TV Geräten, dann liegt der Begriff „Phänomen“ auf der Hand. Sozusagen das Phänomen der Massenwanderung in die Herzenswärme.

Eine Konzertbesucherin aus Wien, brachte es 2004 im Interview zu diesem Bericht auf den Punkt als wir damals von ihr wissen wollten, was ist denn so einmalig an Hansi?

Die Antwort: „In der heutigen Zeit, wo es so richtig hart und schlimm zugeht und richtig grauslig ist, da zeigt er für jeden Einzelnen das Gefühl, er sei der Schönste und nach einer kleinen Pause fügt sie hinzu: „ja, und die Natur“.

Noch ist es viel zu früh, Hansi über den Verstand zu definieren oder bereits neben Luis Trenker zu stellen. Es reicht noch eine gute Weile, ihm ganz einfach in der Kitzbüheler Tennisarena zuzuhören ganz fest daran zu glauben, was er singt. Gewissermassen „Von Herz zu Herz“.